Geburtsbericht Teil 1 oder…

…die Einleitung zur Einleitung

Nachdem ich unzählige Geburtsberichte auf den verschiedensten Blogs gelesen habe, mitgefühlt, mitgefiebert und auch das ein oder andere Tränchen vergossen habe, musste ich dabei immer wieder an meine Entbindung denken. Fast 19 Monate liegt sie jetzt zurück und viel ist in dieser Zeit verblasst, was sicher an der vergangenen Zeit liegt, aber auch daran, dass ich sicherlich einiges verdrängt habe, denn Frieden habe ich bis heute nicht wirklich mit meiner Entbindung geschlossen. Was nicht daran liegt, das die Geburt besonders dramatisch war oder es Momo oder mir hinterher nicht gut ging, doch war es nicht die Geburt, wie ich sie wollte, viel zu früh und zu schnell das mir die Zeit fehlte mich darauf einzustellen und wohl oder aufgehoben habe ich mich auch nicht gefühlt.

Doch nun zu dem wie alles begann: Es war Donnerstag, der 25.11.2010, ich war in der 34. SSW, genauer gesagt 33+6 und unser Umzug stand kurz bevor. Immer mal wieder hatten wir ein paar Kartons in die neue Wohnung gebracht, damit es am Umzugtag nicht mehr so viel war. Ich fühlte mich gut, bis auf ständiges Sodbrennen und wahnsinnige Symphysenschmerzen, die mich schon wochenlang begleiteten, als ich am Nachmittag urplötzlich Fieber bekam. Da ich sonst aber keinerlei Beschwerden hatte und eh kein Arzt mehr auf hatte, wollte ich den nächsten Tag abwarten. In der Nacht stieg das Fieber bis auf 40°C und Schüttelfrost kam dazu, doch war immer noch keine andere Begleiterscheinung zu erkennen so dass ich eine Erkältung oder Grippe eigentlich ausgeschlossen hatte. Als ich am nächsten Morgen ziemlich gerädert erwachte war das Fieber verschwunden und mir ging es wieder gut. So schoben wir weiter Kisten hin und her, entrümpelten ein wenig, waren sonst aber ziemlich faul, als am Abend das Fieber wieder kam. Schnell stieg es wieder hoch und ich war mir nicht sicher, was ich tun sollte. Es war Freitagabend, das Wocheende lag vor uns, wenn ich zum Arzt wollte blieb nur das Krankenhaus doch darauf hatte ich wenig Lust. Auch wenn meinem Freund das wenig gefiehl, wenn es nach ihm gegangen wäre, wären wir schon am Abend davor ins Krankenhaus gefahren.

Im Momenten in denen ich mir unsicher bin oder ich eigentlich weiß, was das richtige ist, ich aber noch einen Stoß in  die richtige Richtung brauche, telefoniere ich gerne mit meiner Mama und so war sie es auch, die mir den nötigen Tritt gab ins Krankenhaus zu gehen. Schließlich treffe ich jetzt nicht nur Entscheidungen für mich, sondern auch für mein Baby und wenn mit diesem etwas ist, würde ich mir das nie verzeihen. Während ich erstmal weinte weil ich ins Krankenhaus sollte rief der Herzfreund gegen 22 Uhr im Krankenhaus an, um zu fragen wo wir überhaupt hin müssten, am Telefon teilte man uns mit, dass wir direkt zum Kreissaal gehen und dort klingeln sollten, man würde sich dort um uns kümmern.

Gegen 22:30 Uhr erreichten wir den Kreissaal wo uns direkt eine Hebamme in Empfang nahm, mich direkt ans CTG anschloss und eine umfangreiche Anamnese durchführte. Nach einer guten halben Stunde CTG und der Feststellung, dass es Momo gut ging wurde ich wieder in den Flur geschickt wo ich auf eine Ärztin warten sollte. Diese kam dann auch relativ zügig und nahm mir Blut ab, ließ sich eine Urinprobe geben und wollte anschliessend noch einen Abstrich von der Harnröhre machen. Für mich das absolute Highlight an diesem Abend, nicht nur, dass es mit starken Symphysenschmerzen eine Qual ist die Beine in die Beinstützen zu legen, nein, der Abstrich war dazu auch noch der reinste Horror.

Da wir warten mussten bis wir die Ergebnisse aus dem Labor hatten, machte die Ärztin noch einen Ultraschall mit Doppler und allem was dazu gehört. Auch da stellte man nur fest, dass es Momo gut ging. Die Werte aus dem Labor waren wenig zufriedenstellend, denn man konnte nichts finden ausser extrem hohe Entzündungswerte im Blut. Und so legte die Ärztin mir nahe im Krankenhaus zu bleiben, weil man mir ein Antibiotikum geben müsse. Für mich war das erschütternd und so vergoss ich noch einmal ein paar Tränen und versank in Selbstmitleid. Wer liegt schon gern im Krankenhaus und das auch noch kurz vorm Umzug, kurz vorm eigenen Geburtstag und mit soviel anderem Kram im Kopf, als sich dort zu langweilen?

Naja es nützte alles nichts, es war mittlerweile gegen 1:30 Uhr und ich wollte nur noch ins Bett und so verabschiedete ich mich vom Herzfreund und ging schlafen. Pünktlich gegen 6 flog die Tür auf und eine Schwester kam in Begleitung einer Schwesternschülerin herein um Temperatur und Blutdruck zu messen und mir meine Medikamente zu bringen. Mein Blutdruck war bis zu diesem Zeitpunkt eigenlich immer normal gewesen, doch dieses mal hatte ich einen stolzen Wert von 180/110, da die Schwester das nicht glaubte machte sie noch eine Kontrollmessung doch auch diese war nicht besser und so sollte ich doch nochmal zum CTG gehen. Da dieses aber normal aussah kam erneut die Schwester auf mich zu und ich sollte ihr Bescheid geben, wann ich das nächste mal auf die Toilette müsste, man müsste mir einen Katheter legen um Urin zu bekommen der mit nichts anderen in berühung kam.

“Ein Katheter?! Nicht mit mir”, war mein einziger Gedanke. Das konnte nicht weniger schmerzhaft als der Abstrich der Harnröhre sein und so beschloss ich einfach nicht mehr zu müssen. Das klappte etwa 45 min, also ging ich heimlich auf die Toilette, musste ich ja der Schwester nicht erzählen. Mein Plan ging leider nicht lange auf und so kam die Schwester doch zu ihrer Urinprobe, hätte mir ja auch mal einer vorher sagen können das so ein Katheter überhaupt nicht wehtut, dann hätte ich mich nicht so lange davor gedrückt.

Dieses mal fand man dann auch etwas im Urin, mein Eiweiswert war erhöht, um weiteres sagen zu können bräuchte man aber 24 Stunden Sammelurin, ausserdem müsste man meinen Blutdruck runter bekommen da das nicht gut für mein Ungeborenes sei. Die Chance noch vor meinem Geburtstag entlassen zu werden sah ich schwinden und so hoffte ich nur noch, dass man alles in den Griff bekommen würde und ich vor der Entbindung nochmal nach Hause dürfte.

Die Tage vergingen, das Fieber war weg, doch der Blutdruck war vereinzelt immer mal wieder zu hoch und so wurde ich am 03.12 entlassen, allerdings mit der Auflage jeden zweiten Tag zum Frauenarzt zu gehen und ein CTG machen zu lassen, 5-6 mal täglich Blutdruck zu messen und ich sollte am 14.12. noch einmal einen Behälter mit 24 Stunden Sammelurin abzugeben. Mehrfach ermahnte mich der Chefarzt von der Station, dass wenn ich Schmerzen im Oberbauch oder Sehstörrungen bekäme, mein Blutdruck noch einmal 180/110 oder mehrfach 160/100 sein sollte, mich sofort wieder in der Klinik blicken zu lassen, was ich alles brav bajahte. Schon da machte die Schwestern der Station Witze wann ich wiederkommen würde, was ich da aber noch nicht für voll genommen hatte.

Am 06.12 sollte ich den Chefarzt schon wieder sehen, denn da hatte ich den Termin zur Geburtsanmeldung. Auch dort ermahnte er mich noch einmal alles zu beachten und lies sich meine Blutdruckliste zeigen. Zum Abschluss machte er noch einmal einen Ultraschall und drückte mir ein wunderschönes Portrait von Momo in 3D in die Hand.

In den nächsten Tagen konnte man zusehen wie sich das Wasser in meinem Körper sammelte, ich konnte mich selbst nicht mehr in Spiegel ansehen, aber sonst ging es mir gut bis auf die Symphyse, so kontrollierten wir weiter den Blutdruck der zwar hoch war aber nicht so hoch, dass ich hätte in die Klinik gehen müssen, also nahmen wir unseren Umzug in Angriff. Vom 10.12 – 12.12 wurde zwar alles soweit fertig, dass wir in der neuen Wohnung schlafen konnten, von wohnlich war es aber noch weit entfernt doch das Kinderzimmer war fertig, worüber ich mich sehr freute. “Jetzt kann er kommen, er hat jetzt ein schönes Zimmer.” hatte ich noch gesagt, nicht ahnend, dass er wirklich bald da sein würde.

Am 14.12., ich war mittlerweile in der 37 SSW, ging ich ziemlich zuversichtlich zum Termin im Krankenhaus, was sollte schon sein, mir ging es ja gut, doch als der Chefarzt, die Ergebnisse aus dem Labor bekam war nichts mehr gut. Plötzlich war die Rede von Präeklampsie, meine Nieren würden wohl nicht mehr richtig arbeiten und das man sofort einleiten müsse, ob ich meine Tasche für die Klinik schon dabei hätte, ich war total geschockt. Damit hatte ich trotz allem nicht gerechnet, man hatte mich darüber auch nicht aufgeklärt und so stammelte ich irgendeine Antwort zusammen, dass ich noch einmal nach Hause müsste, wegen meiner Sachen, die Tasche hatte ich zwar schon lange gepackt aber ich brauchte einfach nochmal etwas Zeit um das alles zu begreifen und so durfte ich nochmal nach Hause, mit dem Hinweis aller spätestens 14 Uhr wieder in der Klinik zu sein…

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